Samstag, 4. Juni 2011

Abhängigkeit von Russland wächst

Der beschlossene Atomausstieg wird die Abhängigkeit Deutschlands beim Gas von Russland enorm vergrößern. Obendrein bekundet der Energiekonzern Gazprom Interesse an einer strategischen Beteiligung an Eon. "Kritiker warnen, dass die Macht des russischen Unternehmens bedrohliche Dimensionen erreichen könnte". (Balser, Markus: Energiekonzern Gazprom. Der unheimliche Partner, in: sueddeutsche.de, 04.06.11)
"Gazprom kontrolliert ein Sechstel der weltweiten Gasversorgung und kann binnen Minuten die Energiezufuhr nach Europa ausknipsen", schreibt die Süddeutsche. Klagen der Europäer über zu hohe Gaspreise kontert Gazprom: "Wenn in Europa die Preise nicht stimmen, liefern wir eben nach Asien", sagt Miller der Süddeutschen Zeitung.
Die Richtung nach Asien ist allerdings nicht nur ein Druckmittel, sondern entspricht generellen Interessen Gazproms. Das Unternehmen treibt seine globale Expansion voran und will immer größere Teile seiner kostbaren Reserven nach Asien lenken. Die FAZ berichtet, dass Gazprom kurz vor der Einigung mit China über einen Pipelinebau stehe. Auch nach Indien werde der Konzern, wie aus dem Management zu erfahren sei, seine Lieferungen ausbauen. China und Indien verbrauchen inzwischen das Gros der weltweiten Rohstoffproduktion.
Außerdem plane Gazprom in das lukrativere Endkundengeschäft einzusteigen.

Europa verlange - bei steigenden Preisen - so viel Gas wie im Winter. "Bis Dezember wird der Gaspreis, den wir bei unseren langfristigen Verträgen berechnen, bei rund 500 Dollar liegen", sagt der Gazprom-Manager Miller. Dieser Betrag liegt 100 Dollar höher als bislang erwartet. Damit dürften auch die Endkundenpreise für Verbraucher in Deutschland erneut in die Höhe schießen, wie Balser zu Recht feststellt.

Es gibt noch einen weiteren Punkt, der die Abhängigkeit von Gazprom deutlich macht: Kritiker warnten bereits davor, dass die Macht von Gazprom auch mit dem Bau neuer Pipelines in Richtung Europa in bedrohliche Dimensionen wachsen könnte, schreibt Balser. Im Norden baue der Moskauer Multi bereits die Ostseepipeline Nord Stream. Im Süden konkurriert er beim Zugang zu Gas aus Zentralasien mit seinem Projekt South Stream gegen die Konkurrenz-Pipeline der EU, Nabucco. Sollte er sich durchsetzen, könnten aus Partnern Abhängige werden und Gazprom könnte einen ganzen Kontinent in die Zange nehmen, heiße es in der Branche. Miller sieht gute Chancen, dass die Europäer im Pipeline-Wettstreit noch weiter ins Hintertreffen geraten. Das Nabucco-Konsortium musste kürzlich eine Verspätung um zwei Jahre einräumen. Miller halte dies für eine sehr positive Schätzung: "Die Europäer werden noch sehen, was Gazprom für sie tun kann."

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